Bethlehem ist eine Reise wert! Besonders spannend mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Heute habe ich alle in Israel zur Verfügung stehenden benutzt: Scherut Taxi ( das ist ein Sammeltaxi das erst dann losfährt wenn es mit 10 Personen voll besetzt ist) Bus, Straßenbahn, Taxi… Von Tel Aviv nach Bethlehem. Allerdings muss man vor dem Checkpoint aussteigen, geht durch endlose Gänge, bis man auf die andere Seite der hohen Mauer gelangt. Vorher wurde das Taxi dreimal von Soldaten angehalten und diesmal war ich die einzige, die nicht kontrolliert wurde. Eine völlig abgesperrten Stadt, aus der dort Geborene nicht ohne ein spezielles Visum herauskommen. Ich habe dort unangekündigt meine dominikanischen Mitschwestern besucht, die wir seit Wochen nicht erreicht haben und von denen ich nur eine Straße als Adresse hatte. Ich habe sie gefunden und bin sehr herzlich empfangen und umsorgt worden. Sie haben dort eine Kinderkrippe mit 40 Kindern zwischen 6 Monaten und 4 Jahren. Ich durfte gleich einen Kindergeburtstag mitfeiern und mit den Kleinsten spielen. Was für süße Kinder!

Dann wurde ich per Schnelldurchgang mit den heiligen Stätten des Ortes vertraut gemacht ( die Kirche auf dem Feld der Hirten, denen die Geburt Jesu verkündet wurde, die Geburtskirche und die Kirche mit einer Grotte die die stillende Maria beherbergt haben soll), wobei meine Mitschwestern jede Warteschlange ignorierte und ich Souvenirs zum Sonderpreis erstehen konnte “for the sister”. Sr. Marlin erzählte, dass sie seit dem Bau der Mauer Bethlehem nicht mehr verlassen durfte, da sie Einheimische sei. Sie lebt sozusagen im Riesenknast… meine eingesperrte Familie… kaum zu glauben. Von daher waren sie über meinen Besuch sehr erfreut. Schade das wir dort nicht gedreht haben ( was wir ursprünglich wollten), wir hätten doch einfach hinfahren sollen, aber das weiß ich jetzt.
Eine wunderbare Begegnung.
Auf dem Rückweg habe ich noch in der Jerusalemer Altstadt schöne Dinge erworben u. a. Briefmarken für einen ganzen Stapel mir hinterlassene Karten…. Die alle zu befeuchten hat mich meine letzte Spucke gekostet. Sollte ich mal Heilig gesprochen werden, dann könnt ihr sie als Reliquie verkaufen. Allerdings konnte mir noch niemand den Ort zeigen, an dem sie auch aus dem Land befördert werden, echt, ich habe weder in Tel Aviv, noch in Jerusalem einen Briefkasten gefunden. Das wird meine letzte Aufgabe in diesem Land sein. Allen Empfängern sei schon mal gesagt ” ich tue mein Bestes!”. Der Busbahnhof in Tel Aviv ist eine fast nicht einnehmbare Festung mit einem Labyrinth zur Verwirrung der Bussuchenden. 8 Etagen, Geschäfte, Büros, Bussteige). Unglaublich, aber ich wollte auch das mal erleben und mit Erfolg bestehen! Heute Abend war ich noch schwimmlustig am Strand ( es ist Vollmond und immer noch mind. 29 Grad), aber die See war so rauh, dass ich nur einen Spaziergang machte und eine lange Unterhaltung mit jemanden führte, der vielleicht einem Jerusalemsyndrom sehr nahe kommt.

Inzwischen mag ich das Alleinsein wieder :-), freue mich aber dennoch auf meine Mitschwestern und das Kinderdorf, nicht jedoch auf die herbstlichen Temperaturen ( gestern und heute waren es hier 37 Grad!!).
Mein wirklich letzter Gruß :-) aus Israel
Vielleicht jedenfalls
Sr. Jordana